Kategorie-Archiv: Dies und das

Innsbruck mit Kanaldeckel und Kette

26 Buchstaben des Alphabets, 26 Städte, 26 Länder, 26 Flüsse rund um die Welt – nicht mehr und nicht weniger wollte Journalistin Sabine Olschner vom Reiseblog Ferngeweht, als sie zum „Stadt, Land, Fluss“-Spiel rief. Zu jedem Buchstaben sollte ein Blogger, eine Bloggerin einen Beitrag über eine Stadt, ein Land oder einen Fluss schreiben. Ich bekam mit dem I Innsbruck, meine Wahlheimatstadt. Nun denn: Mein Innsbruck. Mit Kanaldeckel und Kette. Weiterlesen

 

Kritzeleien an der Wand

Ich bin eine Fußgängerin. Durch Städte streife ich am liebsten zu Fuß. Das ist der Rhythmus, der mir liegt. Er gibt mir Zeit zu beobachten, zu entdecken, wahrzunehmen. Denn es ist doch so: Auf Strecken, die wir häufig benutzen, lässt unsere Aufmerksamkeit nach. Vieles registrieren wir gar nicht mehr. Und das ist schade.
Wenn ich aber Zeit habe, wenn ich flaniere, spaziere, schlendere, nicht eile oder hetze, dann ist mein Blick offen und die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich Dinge bemerke, die ich sonst übersehe.
Viel zu selten habe ich den Fotoapparat dabei und Handyfotos sind nur ein schwacher Ersatz. Heute bin ich bewusst an jener Parkmauer in Innsbruck entlangspaziert, an der ich in den letzten Wochen immer wieder Schnappschüsse von Kritzeleien gemacht habe. Sie sind kaum zu ignorieren, so satt sind ihre Farben, so geradeheraus ihre Botschaft.
Viele halten solche Aufschriften für Geschmiere, Sachbeschädigung gar, und im rechtlichen Sinne sind sie das wohl; ein Ärgernis.
Mir aber erzählen sie etwas – über den (oder die), der sie an die Wand gesprüht hat, über unsere Gesellschaft. Sie lassen mich innehalten, bringen mich zum Nachdenken, manchmal zum Schmunzeln. Sie sind Teil urbanen Lebens und eigentlich nicht wegzudenken. Solche Botschaften tauchen immer wieder auf, hier und dort, in unterschiedlichen Ausformungen – von unterschiedlichen Erzählern.
Über die schmucken Graffitis von HNRX habe ich vor Längerem gebloggt. Nun einmal eine ganz andere Variante, ich nenne sie mal Inschriften – solche mit gesellschaftspolitischem Anspruch aber ohne künstlerischen. Kondensate. Schnörkellos und direkt.

Fotos: © Susanne Gurschler

 

Ayurvedischer Kochworkshop

 

Kochen – und natürlich Essen 🙂 – ist eine meiner großen Leidenschaften, eine der entspannendsten Tätigkeiten, neben dem Wandern. Bis vor ein paar Jahren gabs in meiner Küche vorwiegend Italienisches: antipasti, pasta e pizza in allen Variationen, ossobuco, frutti di mare, pomodori, prosciutto crudo, parmiggiano; von Letzterem schnabulierte ich gern große Mengen.
Dann grätschte mir eine Histamin- und eine Fruktoseintoleranz rein. Und in meiner Küche blieb kein Topf auf dem anderen: Gefühlt 90 Prozent dessen, was ich extrem gerne mag, stand plötzlich auf der Roten Liste. Darunter: pomodori, parmiggiano, salami und – HIMMEL! – Speck.

Zutaten für die Karotten-Kokos-Laibchen

Zutaten für die Karotten-Kokos-Laibchen

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass gewisse Dinge gar nicht mehr gehen, andere nur ab und zu und/oder in geringen Mengen. Ich komme völlig ohne Zwiebel, Rotwein und ein paar andere fiese Magenverstimmer aus. Pizza gibt’s manchmal und natürlich meine heiß geliebten maccheroni al sugo di pomodoro. Danach muss ich halt wieder eine Zeit lang verdammt brav sein. Sei’s drum!
Richtig schade finde ich allerdings, dass ich in Buchhandlungen zwar nach wie vor gern Kochbücher (Ich liebe Kochbücher!) durchblättere, aber nur noch selten welche kaufe – denn gefühlt 90 Prozent der Rezepte sind nix für so Unverträglichkeitsleutchen wie mich.

Zutaten für den Schmor-Kürbis aus dem Ofen

Zutaten für den Schmor-Kürbis aus dem Ofen

Richtig schade auch, dass ich keinen dieser tollen Kochworkshops besuchen kann, die immer wieder angeboten werden, weil 100 pro etwas gekocht wird, bei dem ich sagen muss: Geht nicht! Dabei liebe ich es, neue Rezepte auszuprobieren, ich liebe exotische Gewürze, experimentiere gern damit.

Zutaten für Mangold in Kokossauce

Zutaten für Mangold in Kokossauce

Vor wenigen Tagen entdeckte ich auf Facebook dann die Ankündigung eines „Ayurvedischen Kochworkshops“, ich schaute die Liste der Gerichte durch, die zubereitet werden sollten und mein Köchinnenherz machte einen löffelmäßigen Salto: Außer Rohnen (Rote Beete), Kichererbsen und Karotten, die etwas grenzwertig sind, vordergründig nichts wirklich Problematisches, gar Verbotenes dabei:

Kürbisspalten im Ofen
Mangold in Kokos-Sauce
Knusprige Karotten-Kichererbsen-Laibchen
Feuriges Apfel-Ingwer-Chutney
Rote-Beete-Raita
Wärmender Cashew-Reis und
Süßkartoffel-Brownies

Auf Apfel-Chutney und Brownies würde ich einfach verzichten, je nachdem, wie viel Apfel und Schoki sich im Rezept finden würden. Aber hallo! Endlich einmal ein Kochkurs, bei dem ich mich nicht von vorneherein wegdrehen muss.
Und ganz nebenbei konnte ich mir das „Spielraum KochLokal“ anschauen, eine ziemlich lässige Location mit Werkstatt, Küche und Dachgarten, die vereinsmäßig organisiert ist und in der Partizipation, Selbermachmentalität und Eigenverantwortung als Leitideen fungieren. Hier finden Kulturveranstaltungen statt, diverse Kurse und Vorträge – und eben Kochworkshops wie der von Julia Giesinger, ausgebildete ayurvedische Ernährungsberaterin und ayurvedische Köchin.

Karotten-Kokos-Laibchen bereit für die Pfanne

Karotten-Kokos-Laibchen bereit für die Pfanne

Sechs Teilnehmerinnen. (Ja, am Griller sind gern Männer die Zeremonienmeister, am Herd nach wie vor eher die Frauen). Bei dezenter Hintergrundmusik und in heimelig angenehmer Atmosphäre erzählte uns Julia einige grundlegende Dinge über Ayurveda, informativ aber nicht zu ausführlich – genau richtig dosiert.
Sie erläuterte uns die Auswahl der Rezepte und die Zutaten (nur eines war mit Zwiebel und die anderen Teilnehmerinnen erklärten sich sofort bereit, darauf zu verzichten). Viele leckere Gewürze: Ich liebe Kurkuma, Koriander, Zimt. Für jedes Rezept hatte Julia die Zutaten bereits vorbereitet – mis en place vom Feinsten!

Supergut: Rote-Bete-Raita mit Kren

Supergut: Rote-Bete-Raita mit Kren

Wir machten uns also an Schnibbeln, Reiben, Hacken, Mischen, Kneten und Rühren, die ersten Gewürze wurden geröstet und bald duftete es köstlich – der Hunger wuchs und die Spannung, wie das alles denn schmecken würde. Auf das Apfel-Ingwer-Chutney habe ich vorsorglich verzichtet, aber von allen anderen Gerichten kann ich sagen: Sie waren leckerst!
Meine Favoriten: der festliche Zitronenreis (mit Rosinen, Nüssen und vielen Gewürzen) und die Rote-Bete-Raita. Kombiniert ließen die zwei meinen Gaumen jubilieren. Von den Brownies gab’s für mich nur einen „Koster“ – sicher ist sicher, weil doch recht viel Schoki drin: etwas bröselig (da ohne Mehl und Ei), aber wirklich sehr schokoladig, saftig. Yummy.

Farbenpracht und Geschmacksvielfalt auf dem Teller

Farbenpracht und Geschmacksvielfalt auf dem Teller

Hervorragend verköstigt, rundum zufrieden – mein Fazit: Das war mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass ich ayurvedisch gekocht und gegessen habe!

Und falls sich jetzt wer fragt: Nein, das ist keine Werbung! Ich habe ganz regulär die Workshopgebühr gezahlt – aber auch wenn ich das nicht hätte: Meine Meinung ist nicht käuflich!

Alle Fotos: ©Susanne Gurschler