Das Donauland-Frauenbuch

Das Donauland-Frauenbuch habe ich zufällig entdeckt auf der Straße, im Sperrmüll.
Ein riesen Haufen mitten auf dem Gehsteig. Vorhänge, Stühle, Kommoden, Kunstdrucke, Geschirr, Handtücher. Alles alt, alles schleisig. Ein ganzes Leben war da ausgebreitet auf dem Asphalt und die Leute wühlten darin herum. Der oder die BesitzerIn musste wohl gestorben sein. Es lag auch ein Fotoalbum zwischen Brettern, Tapeten und Möbeln. Einige Fotos waren herausgefallen, schwarz-weiß, 1960-er oder 1970-er Jahre schätzte ich. Ich wollte gerade eines aufheben, da fuhr eine Frau robust mit dem Besen dazwischen. Das Foto verschwand unter dem Sperrmüllberg. Das Donauland-Frauenbuch ragte mit anderen Büchern aus einer großen Metalltonne. Mattblauer Leineneinband, abgegriffen und fleckig. Ich war trotzdem elektrisiert, griff danach, vorsichtig, da ich nicht wusste, was unter den Büchern zum Vorschein kommen würde. Es handle sich um die Österreichausgabe eines 1958 in Deutschland publizierten Buches, stand gleich auf einer der ersten Seiten zu lesen.  Die deutsche Ausgabe hatte den Titel „Selbst ist die Frau“. Ich mag solche Bücher: selbst ist die Frau, hieß in den 1950er Jahren etwas anderes als heute. Das Buch in meiner Hand „wurde den österreichischen Verhältnissen angepasst“. Wäre natürlich gut, die deutschen Verhältnisse zu kennen, um die österreichischen als besonders zu erkennen – dachte ich. Egal, ich nahm es mit neben ein paar anderen. Die Platzproblematik in meinem Regal war mir in diesem Moment egal.

 

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