Franz Sedlacek

 

Franz Sedlacek: Der Chemiker (1932); Wien Museum; © Bildrecht, Wien, 2014

Franz Sedlacek: Der Chemiker (1932); Wien Museum; © Bildrecht, Wien, 2014

Vorletztes Wochenende stand Wien auf dem Plan. Und wie immer heißt Wien auch Arbeit. Schöne Arbeit. Spannende Arbeit. Denn immer stehen mindestens zwei Ausstellungen auf dem Programm.
Dieses Mal: „Egger-Lienz und der Krieg“(quasi ein Muss für eine Tirolerin) im Unteren Belvedere und „Franz Sedlacek. Chemiker der Phantasie“ im Wien Museum. Über die Egger-Lienz-Ausstellung habe ich einen ausführlichen Beitrag für das Tiroler Nachrichtenmagazin ECHO verfasst. Und nur ganz kurz: Ich würde mir die Ausstellung anschauen!
Franz Sedlacek (1891-1965)*, den habe ich mir für meinen Blog reserviert.
In Bildern von Sedlacek kann ich mich verlieren. Nicht in allen, nein, beileibe nicht.
Die religiösen Motive zum Beispiel, die lassen mich kalt. Dann gibt es ein paar, die sind so unheimlich, dass ich sie nicht in meinen Träumen finden möchte, nicht einmal in Auszügen. „Beim Moulagenmacher“ etwa und „Der Gärtner“ – Gruselkabinette der besonderen Art. E.T.A Hoffmann und Ludwig Tieck lassen grüßen.
Wobei die meisten Bilder Sedlaceks einen bedrohlichen Grundton haben. Das liegt nicht nur am zumeist ausgesprochen düsteren Himmel (die Wolkenformationen in seinen Arbeiten faszinieren mich immer wieder!), sondern auch an den gedeckten, dunklen Farben, am speziellen Kontrast. Während bestimmte Bereiche in gleißendes Licht getaucht sind, verschmelzen andere fast mit der Nacht. Der dunkle Ausstellungsraum im Wien Museum verstärkt die Wirkung noch einmal.
Aber einige, ja, einige, die würde ich mir sofort in die Wohnung hängen, um sie immer wieder zu betrachten und in sie einzutauchen.

Franz Sedlacek: Industrielandschaft (1934); Privatbesitz; © Bildrecht, Wien, 2014

Franz Sedlacek: Industrielandschaft (1934); Privatbesitz; © Bildrecht, Wien, 2014

„Industrielandschaft“ zum Beispiel, ein Gemälde, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat und das ich beinahe mein Lieblingsbild nenne würde. Ein eleganter Mann mit Hund – ich glaube, fast auf jedem Bild von Sedlacek ist ein Hund zu finden, so ein kleiner, pfiffiger, dackelartiger – blickt von einem Höhenweg auf spiegelglattes Gewässer. Links davon ein Gasometer, eine Industrielandschaft mit rauchenden Schloten. Rechter Hand steht auf einem Felsengebilde leuchtend eine Kirche. Der Himmel dahinter schwarz, unheilschwer, düster. Und ganz hinten, da wird er strahlend hell, geradezu saftig. Ich könnte dieses Bild stundenlang betrachten.
Dann „Gewitterlandschaft“, „Stadt im Gebirge“, „Landschaft mit Regenbogen“ … – Wie gesagt, es sind einige, die mich fesseln. Magische Orte, bizarre Gegenden und nicht zuletzt fantastisch anmutende Szenerien, Traumbildern gleich. „Abendlied“ heißt jenes, wo ein Trompete spielender Mann durch eine Wandöffnung ins Freie schwebt. In „Bibliothek“ sind ein Mann und ein knallgelber Kakadu einander zugewandt, vor einem Bücherregal mit ins Auge stechend farbigen Buchrücken.
Franz Sedlaceks Bilder haben eine ungeheure Sogwirkung. Ich bin versucht, sofort den Stift zu zücken und die Geschichten aufzuschreiben, die ich darin sehe oder zu sehen glaube. Vielleicht mache ich das, irgendwann. Kurzum: Ich würde mir die Ausstellung anschauen. Unbedingt!
„Franz Sedlacek. Chemiker der Phantasie“ ist noch bis 21. April 2014 im Wien Museum zu sehen.
* Sedlacek galt seit Jänner 1945 an der Ostfront als vermisst, die Todeserklärung erfolgte 1965.

Franz Sedlacek: Beim Moulagenmacher (1932); Privatbesitz; © Bildrecht, Wien, 2014

Franz Sedlacek: Beim Moulagenmacher (1932); Privatbesitz; © Bildrecht, Wien, 2014

Franz Sedlacek: Bibliothek (1926); OÖ Landesmuseum; © Bildrecht, Wien, 2014

Franz Sedlacek: Bibliothek (1926); OÖ Landesmuseum; © Bildrecht, Wien, 2014

Franz Sedlacek: Gewitterlandschaft (1936); Museum der Stadt Linz; © Bildrecht, Wien, 2014

Franz Sedlacek: Gewitterlandschaft (1936); Museum der Stadt Linz; © Bildrecht, Wien, 2014

 

 

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