Gastbeitrag von Constanze Wolff: Lieblingsbücher 2014

Es gibt Traditionen, es gibt schöne Traditionen und es gibt ganz und gar aufregende Traditionen. Zu letzteren gehört das Weihnachts-Blogwichteln beim Netzwerk Texttreff. 2014 wurde mir Constanze Wolff zugewichtelt.

Constanze ist eine „Brandstifterin“, sie ist nämlich „Feuer und Flamme für das gesprochene und geschriebene Wort“. Und: Sie verschlingt alles, „was nicht Krimi und Science Fiction ist“.

Bis auf die Einschränkung nicht Krimi und Science Fiction also eine Leidenschaftsgenossin! Hurra: Blog mein, was willst du mehr!

Für meine Rubrik „Neues aus dem Regal hat Constanze ihre fünf Lieblingsbücher 2014 zusammengestellt.
Vorhang auf also für die „Bücherfresserin“ Constanze Wolff und ihre Top Five.

Lieblingsbücher 2014

Ich heiße Constanze und ich bin Bücherfresserin. Seit die ersten Buchstaben sich in meinem Kopf zu sinnvollen Einheiten zusammenfügten, verschlinge ich alles, was nicht Krimi oder Science Fiction ist. Doch trotz der Unmenge an geschriebenen Worten, die meinen Kopf Tag für Tag verlässt, habe ich bisher kein einziges über die von mir gelesenen Worte verloren – das soll sich mit diesem Text ändern. Mit Sicherheit hat die qualvolle Auswahl meiner Lieblingsbücher des Jahres mehr Zeit in Anspruch genommen als das Schreiben dieses Beitrags dauern wird – aber hier kommen sie, meine Top Five 2014:

Neuentdeckung des Jahres: „Gretchen“ von einzlkind. Die Hauptfigur ist eine hinreißend arrogante Alte, die ihre Überheblichkeit in grandioser Sprache ausspielt. Zusammen mit vier Koffern voller Lanvin, Dior und Prada verschlägt es sie auf eine liebliche Insel bei Island, die bei der überzeugten Stadtbewohnerin nur eines auslöst: Brechreiz. Doch diesen muss sie unterdrücken: Ein humorvoller Richter hat die renitente Regisseurin zu einem vierwöchigen Aufenthalt auf der Insel verdonnert – inklusive Inszenierung eines Theaterstückes mit der eher bodenständig veranlagten Einwohnerschaft. Der Rest ist lautes Lachen.

Lernerfahrung des Jahres: „28 Tage lang“ von David Safier. Natürlich hatte ich schon vom Aufstand im Warschauer Ghetto gehört. Dieser auf intensiven Recherchen und wahren Begebenheiten basierende Roman hat mir jedoch auf eindrucksvolle Weise nahegebracht, was es bedeutet, unter derart lebensfeindlichen Bedingungen nicht nur zu überleben, sondern der SS vier ganze Woche lang Widerstand zu leisten. Und doch ist das Buch mehr als ein historischer Roman: Rund um die zentrale Frage „Was für ein Mensch willst du sein?“ stellt er die Hauptfigur Mira, alle anderen Protagonisten und damit natürlich auch jeden einzelnen Leser immer wieder in Frage. Wie hätte ich in einer solchen Situation gehandelt? – Diese Frage habe ich mir mehr als einmal beim Lesen gestellt.

Wiederentdeckung des Jahres: „Liebesgedichte“ von Sylvia Plath. Starker Tobak, hinreißend vorgetragen: Charlotte Ramplings Performance bei den Ruhrfestspielen habe ich es zu verdanken, dass die 1963 verstorbene Sylvia Plath erneut in meinen Fokus rückte. Die berühmteste Dichterin Amerikas ist als unglücklich Liebende Legende geworden – die in diesem zweisprachigen Band versammelten Texte zeugen auf eindrucksvolle Weise sowohl von ihrer Zerrissenheit als auch von ihrer sprachlichen Brillanz.

Verlässlichkeit des Jahres: „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami. Das Zerbrechen des „Literarischen Quartetts“ an Murakamis Roman „Gefährliche Geliebte“ weckte im Jahr 2000 meine Neugier – und fortan hatte ich mein Herz an den japanischen Schriftsteller verloren. Kein anderer Autor versteht es auf so grandiose Art und Weise, den Leser Schritt für Schritt über die reale Welt hinauszuführen – bis man es vollkommen normal findet, vom Grunde eines Brunnens in andere Räume transzendieren zu können. Auch im Jahr 2014 hat Murakami mich nicht enttäuscht: Mit großem Genuss habe ich den 36-jährigen Tsukuru Tazaki auf der Reise in seine Vergangenheit begleitet und bin dabei auf die ganz großen Fragen um Freundschaft, Liebe und Schuld gestoßen.

Pageturner des Jahres: „Der Circle“ von Dave Eggers. Jeder, der sich beruflich mit Social Media beschäftigt, wird sich bei diesem Satz ertappt fühlen: „Du sitzt mit drei Menschen an einem Tisch, die dich alle anschauen und versuchen, mit dir zu reden, und du starrst auf dein Display und suchst nach wildfremden Leuten in Dubai.“ Was schon heute für viele von uns Realität ist, wird in diesem Roman auf beklemmende Weise weitergedacht: Wie sähe eine Welt der vollständigen Vernetzung, der totalen Transparenz aus? Das Buch hat mich auf vollkommen neue Weise über Privatsphäre, Öffentlichkeit und Demokratie nachdenken lassen – und ganz nebenbei meine „Ich-lese-keine-Science-Fiction-Bücher-Überzeugung“ unterwandert.

Und jetzt bin ich gespannt: Welche Bücher haben Sie im vergangenen Jahr beeindruckt, bewegt und nicht mehr losgelassen? Die Bücherfresserin freut sich auf neues Futter!

Danke, liebe Constanze, für Deinen Blogbeitrag. Tatsächlich findet sich keines dieser Bücher in meinem Regal. Bis jetzt. – Har. Har. Ich hab schon mal neues Futter!

 

Ein Gedanke zu „Gastbeitrag von Constanze Wolff: Lieblingsbücher 2014

  1. Bettina

    Liebe Bücherfresserin,
    DANKE für Ihre Bücherliste. Gleich wieder neues Futter gefunden und sofort „28 Tage lang“ bestellt.

    Eines meiner Lieblingsbücher des letzten Jahres ist: „Restlaufzeit – Wie ein gutes, lustiges und bezahlbares Leben im Alter gelingen kann“ von Hajo Schumacher. In unserer Familie waren die Themen alt & gebrechlich werden und der Tod sehr präsente Themen. Hier werden einerseits bezahlbare Ruhestandsmodelle vorgestellt und zum anderen an uns Leser appelliert, wie wir „das Alter entgiften“ können. Drei Inspirationen für mich aus dem Buch:
    * Wie will ich altern? Was will ich jenseits der 60 machen?
    * Frieden schliessen mit dem bisherigen Leben
    * Aikido ausprobieren

    Herzliche Grüsse schickt Bettina

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