Innsbruck von A bis Z

Inns'wurscht © Susanne Gurschler(M)eine Stadt von A bis Z, so lautet das Motto der Blogparade, zu der die deutsche Autorin Birgit Ebbert gerufen hat.
Ah, was für eine spannende Aufgabe, meine Stadt, in der ich seit über 25 Jahren lebe, alphabetisch zu ergründen, dachte ich mir, und machte mich ans Werk.
Und siehe da, es wurde ABC.
Hier nun also Innsbruck, die Tiroler Landeshauptstadt, von A bis Z.

 

A wie Aquarell – Albrecht Dürer schuf mit „Innsbruck von Norden“ 1494/95 eine der bekanntesten Stadtansichten, wenn nicht die bekannteste. Das Bild ist allerdings in der Wiener Albertina zu bewundern.
B wie Brixnerhaus – auch Da Vincenzo feines, kleines Lokal mit wunderbarem Kreuzgewölbe, in der warmen Jahreszeit gibt es einen Gastgarten mit herrlichem Blick auf den Domplatz und den Dom.
C wie Casino Innsbruck – hier tragen viele Geld rein, die wenigsten mehr raus.
D wie Die Bäckerei – die Kulturbackstube sorgt wie das Treibhaus für Weltstadtflair; erstere seit ein paar Jahren, letzteres seit Jahrzehnten.
E wie Erker – der bekannteste hat ein goldenes Dachl drauf.
F wie Föhn – weht hier gerne und äußerst kräftig; keiner mag ihn, ihm ist’s wurscht.
G wie Goetheweg – mit der Nordkettenbahn rauf auf’s Hafelekar zur Pfeishütte, ist was für geübte Wanderer; wer es gern gemütlicher hat: Es stehen unzählige Wanderwege zur Auswahl, der Schillerweg zum Beispiel ist ein Spaziergang.
H wie Hungerburg – winters wie sommers Naherholungszone der InnsbruckerInnen; dazu viele noble Häusern auf teurem Grund und eine tolle Sicht auf die Stadt.
I wie Inn – Seitenarm der Donau, fließt durch die Schweiz, Österreich und Deutschland und hat der Stadt Inns’bruck ihren Namen gegeben.
J wie Jodeln – tut hier eigentlich niemand, höchstens für die Gäste.
K wie Koatlackn – abwertend für den Stadtteil St. Nikolaus, der allerdings der älteste von Innsbruck ist und 1165 erstmals genannt wurde als Anbruggen. Der begnadete Volksschauspieler Hans Brenner ist hier aufgewachsen, der Hans-Brenner-Platz erinnert an ihn.
M wie Munding – nach eigenen Angaben das älteste Konditorei-Café Tirols, stimmungsvolles Kaffeehaus im Stil der 1930er Jahre (Architekt Franz Baumann), tortenmäßig schwöre ich auf die französische Valhrona-Torte im Café Walter – ein echtes Bömbchen: 0% Mehl, 70%ige Valhrona Guanaja-Schokolade.
N wie Norbert C. Kaser – ebenso wortgewaltiger wie trinkfreudiger Dichter hat Innsbruck einen seiner fabelhaften Stadtstiche verpasst.

Innsbruck im Winter

Innsbruck im Winter

O wie Olympische Spiele – die fanden hier 1964 und 1976 statt, davon zehrt die Sportstadt Innsbruck immer noch.
P wie Pulverdampf – Kaiser Maximilian I. bestückte sein Innsbrucker Zeughaus mit schwerem Geschütz.
Q wie Quantenphysik – das Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck spielt im internationalen Teilchenforschen eine gewichtige Rolle.
R wie Rapoldipark – Innsbrucks grünes Herz, benannt nach dem gleichnamigen Innsbrucker Politiker und Stadtrat Martin Rapoldi. Hier fläzt, spielt, schaut, genießt alles vom Kind bis zum Pensionisten, sobald die Temperaturen steigen.
S wie Seegrube – das Wintersporteldorado der InnsbruckerInnen, Schi- und Snowboard-Paradies samt Muglpiste, die Karrinne ist was für Könner.
T wie Traklpark, kleine Grünfläche am Inn, benannt nach dem expressionistischen Dichter Georg Trakl, der seit 1925 am nahe gelegenen Mühlauer Friedhof begraben ist. Der deutsche Schriftsteller Mirko Bonné hat diesem Ort 2012 den Gedichtband Traklpark (Verlag Schöffling & Co.) gewidmet.
U wie Umspannwerk Mitte – grandioses, leider etwas verstecktes Bauwerk im Zentrum von Innsbruck, dessen Außenhaut aus Basalt besteht, geplant vom holländischen Architekten Ben van Berkel (UN Studio Amsterdam).
V wie Voliere – aufgeregtes Vogelgezwitscher gibt es nicht nur in der Voliere im Park der Villa Blanka, sondern ebenso im wenige Minuten Gehzeit entfernten Alpenzoo, dort röhrt dann auch der Hirsch und tanzt der Bär.
W wie Wilderin – wenn’s um gutes Essen geht, einer meiner Hotspots.
X wie Xi-Berger – heißen die Studenten aus dem Bundesland Vorarlberg, die zahlreich in Innsbruck vertreten sind („xi“ sagen Vorarlberger für „gewesen sein“).
Y wie Yeti – Christian Beirer, seinen Freunden besser bekannt als Yeti, einer der Macher des Tiroler Almquartetts.
Z wie Zaha Hadid – die Architektin bescherte den Innsbruckern eine fesche, neue Sprungschanze, die Schispringer blicken vom Start auf den Wiltener Friedhof. Dafür kann Hadid allerdings nichts.

Innsbruck im Sommer

Innsbruck im Sommer

 

Danke, liebe Birgit, für diese tolle Anregung! Wer jetzt Gusto gekriegt hat, seine oder eine beliebige Stadt auf diese Art vorzustellen. Bis 30. April 2014 ist Gelegenheit. Alle Infos noch einmal hier.

© Text und Fotos wie immer Susanne Gurschler

 

7 Gedanken zu „Innsbruck von A bis Z

  1. Pingback: Meine Stadt von A bis Z – Hamburg | Übersetzen und Literatur, doch nicht nur

  2. Pingback: Schwalenberg-ABC oder mein Bullerbü (2) | Übersetzen und Literatur, doch nicht nur

  3. Hans

    Hallo Susanne,

    das ist eine schöne Stadt, die Du da vorgestellt hast. Ich war zwar schon in meiner Kindheit dort, dürfte sich das ein oder andre geändert haben, aber vieles wird schon noch seinen Charme haben. Und es gab damals schon – übers goldenen Dacherl hinaus – vieles, was sehenswert war.
    Lieben Gruß Hans

    Antworten
    1. Susanne Gurschler Artikelautor

      Oh, ich denke, es hat sich Einiges geändert. Vielleicht wäre es Zeit, Innsbruck wieder einmal einen Besuch abzustatten?
      Vom Goldenen Dachl war ich übrigens sehr enttäuscht, als ich es das erste Mal sah. So klein und unscheinbar. 🙂

      Antworten
  4. Dave Bullock

    Hier (mein) London 😉

    A A-Z … liegt im jeden Wohnzimmer herum… Noch immer, trotz Google Maps.
    B Buckingham Palace – eine etwas größere Wohnung – erstaunlicherweise wollen alle meine Freund_innen, die mit mir nach London fahren, sehen. So wie den Big Ben.
    C Cristal Palace – Im Gegensatz zu B kein Palast (mehr), sondern mittlerweile ein Fußballklub.
    D Dungeon … für alle, die sich gerne ein wenig gruseln: jedenfalls lustiger als Madame Tussauds.
    E Emirates Stadium … Ein kleines Emirat im Nordon Londons mit einem (meinem)Arsenal an Fußballspieler. Leider hat das Stadion nicht mehr den Charme des alten Arsenal Stadium Highbury, das ca. 5 Gehminuten vom Emirates entfernt jetzt Wohnungen beherbergt. Die Fassade ist noch die vom Stadion (denkmalgeschützt) – die Wohnungen sind wie die Stands angereiht und das Fußballgfeld ist jetzt ein kleiner Park.
    F Football. Insgesamt spielen 13 Londoner Klubs in professionellen Ligen. Derzeit sechs davon in der Premier League.
    G Greenwich … sozusagen das Zentrum der Welt.
    H Hackney … Einst verruchter Stadtteil und Astronom Edmund Halley (1656- 1741), Namensgeber des bekanntesten Kometen, kommt von dort. Meine Lieblingsgegend in London. – Multikulturell, jung und noch relativ günstig mit coolen Pubs.
    I Inn … Nein, nicht ein Fluß, sondern Einkehrmöglichkeit für Hungrige und Durstige.
    J Jubilee Line … Von Stanmore nach Stradford die bisher jüngste U-Bahn-Linie der Transport for London. Namensgeberin irgendwie die Queen höchst persönlich – zu Ehren ihres silbernen Thronjubiläums 1977
    K Kensington Market … Wer war nicht schon dort und hat die ausgefallensten Sachen gefunden. Ganz viele Erinnertungen an die kleinen Geschäfte und die dunkle Atmosphäre. Freddie Mercury und Roger Taylor betrieben dort in den 1970ern eine Boutique. Das Gebäude wurde 2001 abgerissen um musste einem modernen Einkaufszentrum weichen.
    L Liverpool Street Station … Einer der vielen Bahnhöfe im viktorianischen Stil für alle, die aus dem Nordosten Englands anreisen. Also auch, wenn ich von Colchester nach London fahre.
    M Metro Cab … die schwarzen Taxis gehören zum Stadtbild wie die (wieder eingeführten) roten Dobbeldecker-Busse.
    N Nicknames … London selber hatte den Namen The Smoke, aus der U-Bahn wurde die Tube, Wolkenkratzer bekommen Namen wie The Gurkin, Can of Ham oder Cheesgrater. Sogar Polizisten haben Kosenamen: Die Bobbies.
    O Oi! … Wer Punk mag, weiß was gemeint ist. Ich mag Punk, Oi!
    P Picadilly Circus … Eine Arena für Tourist_innen. Auch das wollen immer alle sehen.
    Q Alles mit Queen, wie Queens Park (inkl. Rangers), Queensway, Queensgalery, Queen Mary University of London, … die Liste ist lang.
    R Regent’s Park. Mit 166 Hektar ist er der zweitgrößte Park in London (nach dem Hyde Park) – viele Kindheitserinnerungen.
    S Stock Exchange… Als größte und älteste Börse Europas muss auch sie genannt werden. Heute ist sie am Paternoster-square, direkt bei der St. Pauls Cathedral zu finden – als ich letzens in London war, war dort das Zeltcamp von Occupy London.
    T die Tower Brigde über die Themse oder die Themes mit ihren vielen Brücken, wie etwa die Tower Bridge, die direkt beim Tower of London steht.
    U die Underground ist das verborgene Wahrzeichen der Stadt. Feierte vergangenes Jahr ihr 150-Jahr-Jubiläum und ist somit die älteste U-Bahn der Welt.
    V Vicious Sid … wurde 1957 in London geboren. Er war der personifizierte Punk der Sex Pistols. Oi!
    W Weather .. Jaja, der Nebel. Fakt aber ist, dass der Nebel gar keiner war, sondern vielmehr Smog… das ist aber schon eine Weile her. Und der Regen, was soll ich über den Regen sagen: London hat weniger Niederschlag als Rom, Bordeaux, Toulouse oder Neapel.
    X Xmas in London… Einkaufen, einkaufen, einkaufen… etwa im Harods.
    Y York Street in Westminster – die erste gepflasterte Straße für Fußgänger_innen (OK, zu Y ist mir nichts eingefallen und da musste ich googeln und kam auf dieses interessanten Detail 😉
    Z Zoo – der Londoner Zoo war der erste Tierpark, der den Namen Zoologischer Garten führte. Als Kind war ich einmal dort, sonst aber keine großen Erinnerungen – außer an die Elefanten.

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  5. Pingback: Tagesgedanken

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