November Gedichte

November Gedichte - Reclam VerlagWer kennt sie nicht, die kleinen, gelben Reclam-Klassiker. Ich habe einen ganzen Stapel davon, (fast) alle aus der Schulzeit –  (fast) alle Pflichtlektüre. Shakespeares Wie es euch gefällt, Lessings Nathan der Weise und Minna von Barnhelm, Kleists Der zerbrochene Krug, Goethes Faust … Obwohl: den Faust und ein paar andere Klassiker, die habe ich in einer Ausgabe des Hamburger Lesehefte Verlags. Ich fand die damals schöner, origineller als die ollen Knatschfarbenen, die quasi alle hatten. Und sie waren, wenn ich mich recht entsinne, auch nicht teurer.
Das Ärgerliche an den Reclam-Dingern war zudem, dass sie binnen kürzester Zeit total grindig aussahen, total zerfleddert, selbst wenn man wirklich gut mit ihnen umging. Und das Papier war auch eher mau – wie der Bleistift drüberkratzte. Grr!
Ich habe sie trotzdem alle aufgehoben. Musste sein. Erinnerung an die Schulzeit und so.
Vor wenigen Tagen nun erhielt ich ein wunderschön gestaltetes Büchlein mit dem schlichten Titel November Gedichte. Und ich staunte nicht schlecht: Es war eines von Reclam. Meine liebe Freundin T. hatte meinen Blogbeitrag über den Panther gelesen, diesen Titel in einer Buchhandlung erblickt und sofort an mich gedacht.
Es ist eine Sammlung von glänzenden Gedichten zum tristen Monat November. Lyrische Kostbarkeiten eingereiht in die Kapitel  Zwischen Zuversicht und Umkehr, Gebräuche und Lebensräume,   Novemberlande, Allerhand Farben im Nebel  sowie  Erster Schnee – von Rainer Maria Rilke bis Mascha Kaléko, von Eugen Roth bis Nikolaus Lenau, von Ernst Jandl bis Christine Busta.
Herrlich darin zu blättern, ein Gedicht zu lesen, es nachklingen zu lassen. Wer hätte gedacht, dass ich noch einmal auf Gedichte komm. Wer hätte gedacht, dass mir Reclam-Heftchen tatsächlich einmal gefallen könnten.
Jetzt aber ist es fix: Der November kann anklopfen! Ich bin gerüstet – auch für den ersten Schnee. Obwohl, den hatten wir schon. Egal.

Landschaft im Spätherbst

Über kahle, fahle Hügel
Streicht der Dämmerung kühler Flügel;
Dunkel, wie erstarrte Träume,
Stehn im Tal entlaubt die Bäume.

Tiefe Stille, tiefes Lauschen:
Keine Welle hörst du rauschen,
Keine Stimme hörst du klingen,
Dir des Lebens Gruß zu bringen.

Nur als stummes Bild der Gnade
Siehst du dort am steingen Pfade,
Von des Kreuzes Holz getragen,
Durch die Nacht den Heiland ragen.

                              Ferdinand von Saar
(November Gedichte, ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell, Reclam 2013, S. 16)

 

5 Gedanken zu „November Gedichte

  1. Maria

    Ja. Es passt sehr gut. Weil es auch Hoffnung macht, dass aus diesem triefend nassen, usseligen Zeug auf dem Foto Wunderkristalle gezaubert werden. Die anderen Gedichte nehme ich mir aber auch noch vor. Das allein ist ja schon ein gewaltger Schritt aus dem Blues 🙂 Die Fortschritte kannst du dann online verfolgen.

    Donk schian!

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  2. Maria Meurer

    Ganz lieben Dank für diesen Stupser. Gerade rechtzeitig, kurz, bevor mich am Ende dieses trüben Monats wirklich der Blues völlig übermannt. DAS ist es, was hilft: wunderbare Gedichte, Muße, sie endlich mit Verstand zu lesen und manchmal sogar zu verstehen. Hach! Ich lebe geradezu auf, zumindest virtuell. Denn jetzt nehem ich mir vor, in Bälde auch meine Jammerei auch http://www.mmtextstudio.de über den NOVEMBER mit einer eingehenderen Betrachtung deines Hilfsangebots zu beenden. Grazie -oder wie sagt man in Tirol?

    Maria

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    1. Susanne Gurschler Artikelautor

      Liebe Maria,

      hast du das wunderbare Gedicht von Christine Busta aus dem Büchlein schon gesehen? Ich finde, es passt perfekt zu deinem fantastischen, novembrigen Foto.

      ( Auf gut Tirolerisch sagt man übrigens: „Donk schian!“ 😉 )

      Antworten

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