Sattlers Kosmorama

Bei meinem letzten Wien-Besuch stand die Ausstellung „Sattlers Kosmorama – Eine Weltreise von Bild zu Bild“  in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten auf dem Programm. Geht es um -ramen (Panorama, Kosmorama, Diorama, Georama usw.) bin ich nämlich hellhörig. Habe ich mich doch in einer Artikelserie im Tiroler Nachrichtenmagazin ECHO intensiv mit dem Innsbrucker Panorama der „Schlacht am Bergisel“ auseinandergesetzt und über dessen Geschichte ein Buch geschrieben.
Panorama der Schlacht am Bergisel1.inddKosmoramen sind eine Spielart der Panoramen, wie man die Kombination aus einem fotorealistischen Rundgemälde und einem speziell dafür konzipierten Gebäude nennt, in dem durch gefinkelte Lichtführung und Besucherlenkung das Dargestellte einen lebendigen, einen realistischen Charakter erhält.  Panoramen gelten als Vorläufer des Kinos, des bewegten Bildes und waren eine äußerst publikumswirksame Attraktion im 19. Jahrhundert.  Sie stillten das Fernweh und die Neugier jener Menschen, die sich die teuren und strapaziösen Reisen in fremde Länder nicht leisten konnten.
Auch Kosmoramen ließen die Grenze zwischen Illusion und Wirklichkeit verschwimmen: in einem abgedunkelten Raum blickte der Betrachter durch eine Vorrichtung in der Wand auf ein ausgeleuchtetes, großformatiges Gemälde und erhielt dadurch den Eindruck, wie durch ein Fenster auf eine reale Landschaft oder Stadt zu schauen, also sozusagen an die Stelle des Malers zu treten.

Ansicht Hermesvilla in Wien

Hermesvilla im Lainzer Tiergarten in Wien

Im Rahmen der Sonderausstellung  „Sattlers Kosmorama“ in der Hermesvilla sind mehr als 30 Gemälde des Salzburger Natur- und Landschaftsmalers Hubert Sattler (1817-1904) zu sehen. Der Sohn des Panoramenmalers Johann Michael Sattler, der mit seinem berühmten Salzburger Panorama Anfang des 19. Jahrhunderts durch alle großen Städte Europas tingelte, zeichnete sich schon früh durch ein besonderes zeichnerisches und malerisches Talent aus und stand seinem Vater in nichts nach. Ab 1842 unternahm der junge Maler mehrere Studienreisen. Sie führten ihn u.a. nach Konstantinopel, Syrien und in den Libanon, ins Heilige Land, nach Ägypten Nubien und auf die Halbinsel Sinai. Dabei fertigte er zahlreiche Skizzen von geografischen und kulturhistorischen Besonderheiten an,  die ihm als Grundlage für die naturgetreuen Bilder etwa vom Toten Meer oder von Mekka, von Kairo oder der Sphinx dienten. Diese sorgten in ganz Europa für Furore und machten ihn zu einem reichen Mann. Von Ende 1850 bis Sommer 1852 präsentierte er seine Werke auch in Amerika, wo er ebenfalls ausgedehnte Studienreisen unternahm.
Die in der Hermesvilla gezeigten Arbeiten beeindrucken durch ihre ungeheure Brillanz, ihre Detailgenauigkeit und Tiefenschärfe, nur eines der Gemälde wird allerdings in einem Guckkasten gezeigt und lässt den Besucher so unmittelbar erleben, welche immense Faszination diese Bilder im 19. Jahrhundert ausgeübt haben. Alle anderen hängen zwar in abgedunkelten Räumen und Spots lenken den Blick darauf, die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Illusion aber verschwimmen nicht. Sattlers Gemälde sind wunderbar anzusehen, doch es ist der Guckkasten (das vom Künstler selbst perfektionierte „Hohlraum-Prinzip“ wie es in der Ausstellung heißt), welcher sie wirklich spektakulär, ja atemberaubend macht – genauer: machen würde.

Hubert Sattler: Mekka (1897); Copyright Salzburg Museum

Hubert Sattler: Mekka (1897); Copyright Salzburg Museum

Ausstellungsinfo:
Sattlers Kosmorama – Eine Weltreise von Bild zu Bild
noch bis 3. November 2013
Hermesvilla
1130 Wien, Lainzer Tiergarten
www.wienmuseum.at

 

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