Von wegen blockiert

Also, wenn ich mich über eines in den letzten Wochen nicht beklagen konnte, dann war es eine Schreibblockade. Nicht, dass ich sie nicht kenne. Ich kenne sie sehr gut. Sie war lange meine treueste Begleiterin: Immer zur Stelle, wenn es ans Schreiben ging.
Mit zunehmender Routine allerdings – ja, Routine hat was! – kam die Sicherheit, dass es geht, dass es immer geht, irgendwie: Am Ende stand immer ein Text, einer, mit dem ich konnte – und wenn ich um drei Uhr früh triefäugig den letzten Satz reinklopfe und mich vertippe zum gefühlten 1.000sten Mal. So hat sich meine treue Begleiterin, die Schreibblockade, im Laufe der Jahre mehr und mehr zurückgezogen. Heute sehen wir uns zwar hie und da, plaudern über die alten Zeiten … Na gut, so ist es natürlich nicht! Auch bei mir blockt es ab und an. Immer noch. Und nicht zu knapp. Aber: Wenn ich unter Zeitdruck stehe, dann macht sich die Schreibblockade rar. Komisch – nicht?
Die Schreibblockade also ein Luxusproblem? – Nein, so einfach ist es nicht.
Ich erinnere mich noch gut an Zeiten, wo ich Stunden an einem Absatz gesessen und fast verzweifelt bin, an Zeiten, wo ich mit dem fehlenden ersten Satz gleich den Beruf an den Nagel hängen wollte. Aber: Ich habe dazugelernt. Ich schalte auf Autopilot, wenn ich die Schreibblockade nahen spüre. Und ich spüre sie nahen. Immer. Mittlerweile weiß ich allerdings: Es ist die Angst vor ihr, die wirklich gefährlich ist. Sie gilt es auszutricksen.
Das mache ich so:
1. Die Sache mit dem ersten Satz – vergiss sie! Schreib einfach, schreib. Du kannst alles wieder ändern, ummodeln. Du kannst neu anfangen. Es ist deine Geschichte! Aber tu eines nicht: Da sitzen, auf den Computer starren und auf ihn warten, diesen ersten, diesen magischen Satz, der den Leser, die Leserin am Kragen packt und reinzieht in die Geschichte. Schreib und er wird kommen!
2. Die Sache mit dem fehlenden Überblick, die Sache mit den Bäumen und dem Wald – vergiss sie! Du hast alles, was du brauchst. Schreib die Punkte zusammen, die sich zum Thema bei dir eingenistet haben – die wesentlichen nisten sich immer ein! Das weißt du. Aber vor allem: Schreib einfach, schreib. Du kannst alles wieder ändern. Du kannst alles neu schreiben. Jeder Umweg führt dich auf die Hauptstraße zurück. Es ist deine Geschichte! Bleib einfach dran und der Wald wird sich lichten – schlimmstenfalls um drei Uhr früh.
Wenn sie dann trotzdem einmal zuschlägt, diese Wer-braucht-dich-eigentlich?-Schreibblockade, und das Hirn plötzlich einem verfilzten Wollknäuel gleicht, schnapp deinen Hund (ich hab den Vorteil, einen zu haben), schnapp deinen Schlüssel und raus. Geh, geh, geh. Er wird kommen, der erste Satz, der rote Faden, der Überblick. Greif ihn dir. Dann geh heim, setz dich hin und fang an zu schreiben.
Und wer bis hierher gelesen hat, der weiß, wie dieser Text entstanden ist: Ich habe einfach begonnen zu schreiben. Nun kann ich ihn überarbeiten, ich kann ihn ummodeln, völlig neu schreiben – wenn ich will.

Die Kommunikationsberaterin und Textspezialistin Kerstin Hoffmann hat auf ihrem Blog „PR-Doktor“ vor einigen Wochen zu einer Blogparade zum Thema Schreibblockade aufgerufen. Wer gerne mehr Tipps und Einblicke von professionell Schreibenden hätte, hier sind sie zu finden! 

 

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