Wer hat nun recht?

Der Spiegel hat ja, wie ich zuletzt geschrieben habe, mit „2020 Zeitungsdebatte“ eine wirklich spannende Diskussion ins Rollen gebracht. Gestern erfrischte der österreichische Kabarettist Josef Hader den heimischen Blätterwald mit einer Hommage an die Wiener Zeitung, welche genau gestern ihren sage und schreibe 310ten Geburtstag feierte. 1703 als „Wiennerisches Diarium“ ins Leben gerufen, gehört sie damit zu den ältesten nach wie vor erscheinenden Zeitungen der Welt und es sei ihr an dieser Stelle von Herzen gratuliert! Hader hat seit Kindertagen ein Naheverhältnis zur Wiener Zeitung und meint: „Die papierlose Zeitung? Nie und nimmer!“ Heute nun hat der ORF-Moderator Armin Wolf mit „Menschen, die auf Schirme starren“ seinen Beitrag zur Zeitungsdebatte online gestellt. Darin erläutert er, warum es seiner Ansicht nach in 20 Jahren keine gedruckten Zeitungen mehr geben wird. Tja, gegensätzlicher geht es wohl nicht.
Wer von beiden recht hat? – Da lehne ich mich nur ungern aus dem Fenster. Zum einen sind Haders Argumente von überzeugend praktischer Natur: Nicht nur Berggeher wissen, wie wertvoll Zeitungspapier ist, wenn die Schuhe komplett durchweicht sind. Andererseits sind Wolfs Überlegungen natürlich total schlüssig. Wer will bei „Wenn es neue technische Möglichkeiten gibt, die das Gleiche besser leisten, werden sie sich durchsetzen“ widersprechen? Wohl nur Nostalgiker, haptische Menschen wie ich, die morgens beim Kaffee gerne die Zeitung in die Hand nehmen und darin blättern, Menschen, die auch gerne einmal vom „Rauschen im Blätterwald“ sprechen. Das hat sich in 20 Jahren vielleicht erledigt – aber bis dahin halte ich mich an Hader.

Nachtrag: Die Geburtstagsausgabe der Wiener Zeitung kann hier gelesen und heruntergeladen werden.

 

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