Faces

Belting_Faces_C.H.Beck_fotosusannegurschlerFrühling ist fantastisch. Nicht? – Kaum steigen die Temperaturen, strahlen die Menschen um die Wette. Außer vielleicht jene JoggerInnen, die jetzt beginnen, an der Reduktion ihres Hüftgolds zu arbeiten – und denen diese Form der Formung kein Vergnügen bereitet. Außer vielleicht jene Leute, die jetzt nur noch Reiswaffeln und Salat zu sich nehmen und deshalb sauertöpfisch dreinschauen.
Ansonsten ist Frühling super. Weil die Leute öfter lächeln, weil sie besser gelaunt sind, weil sie ihre Gesichter nicht mehr hinter Schals und unter Mützen verstecken, sondern offen tragen.
Und damit sind wir schon bei meinem Buch des Monats April, des vorwonnigen. Es lag schon länger im Regal und wartete darauf entblättert zu werden. Das heißt: Ich bin beim Lesen, noch nicht durch. Trotzdem ist Hans Beltings „Faces. Eine Geschichte des Gesichts“* mein Buch des Monats April. Nicht einfach so.
Erstens wird die Lektüre sich wohl über den April in den Mai strecken, zweitens ist es total aufregend, sich mit der Bedeutung des Gesichts in der Kulturgeschichte, in der Literatur, in der Malerei, in den (neuen) Medien zu befassen, und damit den Blick zu schärfen im täglichen „face to face“ – oder, um es mit Georg Christoph Lichtenberg zu sagen: „Die unterhaltendste Fläche auf der Erde für uns ist die vom menschlichen Gesicht“. Und drittens schafft es Belting auf wirklich erfrischende Weise, auch komplexe Inhalte eingängig und kurzweilig darzustellen. Rund ein Drittel von „Faces“ habe ich schon gelesen. Es ist ein wirklich spannendes, ein erhellendes Buch. Eines, das ich mit strahlendem Gesicht empfehle.
„Seit auf der Bühne keine Kunstmasken mehr getragen wurden, verkörperte der Schauspieler die Figur oder Rolle, die er spielen sollte, mimisch und im Sprechstil mit dem eigenen Gesicht, das er wie eine Maske einsetzte“. Hans Belting, Faces, S. 63.*

*Hans Belting: Faces. Eine Geschichte des Gesichts. Mit 134 Abb., davon 58 in Farbe. Verlag C.H. Beck 2013.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der BuchBlogParade „12 Bücher in 12 Monaten“, zu der die Journalistin und Autorin Eva Maria Nielsen aufgerufen hat. Ein Mal pro Monat – und zwar immer am 12. – präsentieren die TeilnehmerInnen ihr persönliches Buch des Monats. Wer sonst noch an der Blogparade teilnimmt, ist hier zu finden.

 

3 Gedanken zu „Faces

  1. Daniela

    Klingt äußerst spannend und kommt somit auf die Liste. Und wenn dein Blog wegen deiner tollen Schreibe nicht schon ohnehin gebucht wäre, käme es auch hiermit auf die Liste. Von wegen „vorwonnig“ und so 🙂

    Antworten

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