Schöne Bücher

Buchseite_Eine Zukunft_Bizot_Steidl VerlagBücher sind der Wahnsinn. Ich streiche gerne übers Cover, über die Seiten, höre gerne, welche Geräusche das Papier beim Umblättern macht. Und ich freue mich, wenn mich ein Buch förmlich anzieht – wie zum Beispiel mein September-Buch. Jedes Kapitel ist mit einer kleinen stilisierten Seilbahn versehen. Zauberhaft. Nicht? Dann gibt es natürlich die anderen, die lieblos Hingerotzten. Das Papier ist rau, der Verklebung schleißig, von sorgsamer Gestaltung keine Rede. Bei Taschenbüchern ist das öfter der Fall – und ich will hier nicht auf die Reclam-Büchlein hinaus, die in ihrer Art Kult sind.

Umso schöner ist es, echt schöne Bücher in Händen zu halten. Umso schöner auch, über schöne Bücher zu reden. Im Rahmen der wei sraum-Reihe „schönebücher“ wird das gemacht: Letzthin sprachen der Schriftsteller Christoph W. Bauer, die Schriftstellerin Sabine Gruber und der Grafiker Kurt Höretzeder in der Innbrucker Haymon-Buchhandlung über schöne Bücher.
Ich verfüge weder über das typografische Wissen von Kurt Höretzeder, Mitbegründer des Vereins „wei sraum. Forum für visuelle Gestaltung Innsbruck“, noch über den biografischen Hintergrund von Sabine Gruber, deren Großvater Buchdrucker und deren Vater Bleisetzer war. Wie Gruber aber habe ich als Kind Bücher gebastelt, sie mit Leidenschaft und viel Hingabe gestaltet.

Sabine Gruber (Foto: ©susannegurschler)

Sabine Gruber (Foto: ©susannegurschler)

Buchcover können „völlig absaufen“, erzählt Sabine Gruber an diesem Abend, etwa wenn das Cover gedruckt ganz anders ausschaut als der Vorschlag, den man dem Verlag geschickt hat, oder der, den man zugeschickt bekommen hat. Einmal seien ihr beim Öffnen ihres neuen Buches gar die Seiten entgegengefallen. Eine schmerzliche Erfahrung, die zu einem „Schreiduell“ mit dem Verleger führte. Aber natürlich hat Gruber positive Beispiele im Gepäck. Eines aus der legendären Suhrkamp-Bibliothek zum Beispiel, gestaltet von Willy Fleckhaus.

Buchcover Bibliothek SuhrkampIn meinem Regal finden sich auch ein paar, Thomas Bernhards „Heldenplatz“ etwa, das Cover blütenrot mit schwarzen Lettern und schwarzem Streifen, oder Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“, leicht nougatfarben mit schwarzer Schrift und schwarzem Streifen. Schlicht, prägnant, grafische Ikonen, auf die Kraft der Typografie vertrauend – und heute undenkbar, wo das Publikum ein „bildgläubiges“ ist, wie Höretzeder ergänzt. Allerdings: Schon die Regenbogen-Reihe von Suhrkamp wurde gerne zur Innendekoration herangezogen. Was noch lange nicht hieß, dass die Besitzer lasen, was da so farbenfroh im Wohnzimmer stand.

Dann zum Beispiel „In der Dunkelkammer des Schreibens“, die Begleitpublikation zu einer Ausstellung vor zwei Jahren in Zug in der Schweiz, in der es um das Werk des ungarischen Schriftstellers und Fotografen Péter Nádas ging. Nádas fotografisches Werk fasziniere sie, sagt Gruber. Er beobachte sehr genau, bevor er Bilder mache. Diese verlangsamte Wahrnehmung habe sie sehr interessiert. Und sie liebe Bücher, die eine Art Begleitbücher zu Romanen sind.
Am Ende von „schönebücher“ liest die Autorin noch einmal aus einem ihrer Bücher, dem Lyrikband „Zu Ende gebaut ist nie“. Es sei eines, das bestanden habe vor dem kritischen Auge ihres Vaters. Dieser prüfe nämlich immer zuerst den Umschlag, die Papierqualität, den Druck, bevor er sich dem Inhalt ihrer Bücher zuwende, erzählt Sabine Gruber. Es ist eine bibliophile Ausgabe: Broschur mit Aktenstichheftung, nummeriert und signiert. Es ist schön.

Sabine Gruber liest einige Gedichte. Zum Abschluss eines, das dem Journalisten Gabriel Grüner gewidmet ist, der 1999 im Kosovo ermordet wurde. Ein Gedicht so innig, so traurig schön, dass einem ganz schwer wird ums Herz.

Daheim stand ich lange vor dem Bücherregal, überlegte, welche schönen Bücher ich habe, welche ich herzeigen würde. Wirklich besonders sind wenige. Die meisten meiner Bücher sind schön, weil ich den Inhalt liebe, weil ich zu jedem eine Geschichte erzählen kann, weil sie Teil meiner Biografie sind. Das macht sie wertvoll, macht sie schön. Und wenn dann noch das Cover ins Auge sticht, die Papierqualität gut ist, das Schriftbild harmonisch, dann bin ich im Himmel.

 

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