Geschichte im Rundumblick

Cover_Geschichte im Rundumblick_copyright gurschlerVor einiger Zeit hatte ich ihn angekündigt, nun ist er da: der Band zur Jahrestagung des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Uni Leipzig 2012. Quasi druckfrisch lag „Geschichte im Rundblick. Panoramabilder im östlichen Europa“* gestern in der Post.**
Es geht darin um Gestaltungsformen und Funktionen historisch-politischer Panoramen im östlichen Europa.
Ja, wenn es um Panoramen geht, dann bin ich dabei.
Ende des 18. Jahrhunderts erfunden, avancierten sie im 19. Jahrhundert zum Massenmedium. Die Besonderheit der Panoramen lag in ihrer Präsentation: Monumentalgemälde, die in einem eigens für sie errichteten Rundbau gehängt, durch eine spezielle Besucher- und Blicklenkung sowie eine ausgeklügelte Lichtführung, zu Illusionsmaschinen wurden. Panoramen waren die Vorläufer des bewegten Bildes, eine Sensation zur damaligen Zeit – ein Faszinosum noch heute.
Ziemlich in der Mitte des wissenschaftlichen Bandes findet sich mein Beitrag über das Innsbrucker Riesenrundgemälde „Schlacht am Bergisel“ als Momentaufnahme bewegter Tiroler Geschichte im Spannungsfeld zwischen touristischer Vermarktung und patriotischer Vereinnahmung. Klingt nach Spaziergang für mich, immerhin habe ich ein ganzes Buch über die „Schlacht am Bergisel“ geschrieben. Trotzdem eine Herausforderung, und was für eine – ich war immerhin die einzige Nicht-Wissenschafterin bei der Tagung.
Vielleicht wundert sich jetzt die eine oder der andere, was das Innsbrucker Riesenrundgemälde bei einer Tagung über Panoramabilder im östlichen Europa überhaupt zu suchen hat. Nun: Das Innsbrucker ist eines der wenigen, der sehr wenigen noch erhaltenen Exemplare dieser wirklich außergewöhnlichen und faszinierenden Kunstform des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Und sowohl von der Entstehungsgeschichte als auch von der Programmatik her ließ es sich wunderbar ins Tagungsthema integrieren.
In den östlichen Ländern hat sich übrigens eine ganze Reihe solcher Monumentalgemälde erhalten, bzw. erlebte diese perfekt für propagandistische Zwecke geeignete Kunstform im Sozialismus und in der Zeit danach eine neue Blüte.
Allen, die sich für das Thema Panoramen interessieren, kann ich diesen Sammelband wirklich sehr empfehlen. Erstmals werden hier nämlich speziell Panoramen Ost- und Ostmitteleuropas eingehend unter die Lupe genommen.
*Arnold Bartetzky, Rudolf Jaworski (Hg.): Geschichte im Rundumblick. Panoramabilder im östlichen Europa. Böhlau Verlag 2014.
** Dass es sich mit dem 20. Feber um den Todestag von Andreas Hofer, Anführer der Tiroler beim Aufstand 1809 und zentrale Figur der „Schlacht am Bergisel“ handelt, sei nur am Rande erwähnt. Ich musste allerdings schmunzeln, sehr.

Und hier noch zwei Impressionen. Machen doch Gusto – oder?

Riesenrundgemälde Schlacht am Bergisel – Ausschnitt. © Gurschler

Riesenrundgemälde Schlacht am Bergisel – Ausschnitt. © Gurschler

Riesenrundgemälde Schlacht am Bergisel – Ausschnitt. © Gurschler

Riesenrundgemälde Schlacht am Bergisel – Ausschnitt. © Gurschler

 

 

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