Indiebookday 2018

Seit 2013 stehen Bücher von unabhängigen (kleinen) Verlagen beim Indiebookday im Zentrum. An diesem Tag – heuer der 24. März – gehen BuchliebhaberInnen wie ich in die Buchhandlung ihres Vertrauens und wählen bewusst ein Buch aus, das von einem unabhängigen Verlag publiziert wurde.


Die Meinungen, was ein unabhängiger und kleiner Verlag ist, gehen auseinander. Diese Debatte möchte ich hier auch gar nicht anstoßen. Für mich geht es um Verlage, die es nicht so leicht haben, gegen die großen Verlagsgruppen anzukommen, um kleine Verlage, die mit viel Liebe ein spezielles Programm zusammenstellen, spezielle Themenbereiche abdecken, besondere Bücher gestalten. Nicht selten sind sie diejenigen, die AutorInnen entdecken bzw. ihnen eine erste Chance geben.

Die Ausbeute beim diesjährigen Indiebookday

Wer einmal bewusst in der Buchhandlung seines Vertrauens nach unabhängigen Verlagen Ausschau hält, wird erstens feststellen, dass sie häufig im Schatten der großen stehen und bewusst gesucht werden müssen, und zweitens, dass es – wenn einem erst einmal die Augen dafür aufgegangen sind – eine Vielzahl gibt.
Die Buchhandlungen meines Vertrauens sind die Haymonbuchhandlung und die Wagnersche, beide in Innsbruck, letztere die älteste Buchhandlung der Stadt.
Da ich selten mit nur einem Buch nach Hause gehe, ist am Indiebookday natürlich mit besonderer Ausbeute zu rechnen.
Tja, was soll ich sagen. Gleich fünf Bücher musste ich unbedingt haben – dazu ein Bonus, den ich mir gönnte, weil die Bilanz so vorzüglich war (für mich, weniger für das Börserl).

Lesefutter aus zwei ganz tollen Verlagen: Matthes & Seitz Berlin, Kein & Aber

Da wäre einmal „Die Schneiderin und der Wind“ von César Aira, aus dem Spanischen übersetzt von Christian Hansen und erschienen bei Matthes & Seitz Berlin. Auf diesen Autor bin ich am Indiebookday 2017 gestoßen. Letztes Jahr habe ich „Der kleine buddhistische Mönch“ gekauft – dass ich erst kürzlich dazu kam, es zu lesen, tut insofern was zur Sache, weil mich das Büchlein unglaublich begeistert hat und ich daher natürlich sofort zugegriffen habe bei „Die Schneiderin und der Wind“, zumal es darin um einen Autor geht, der auf der Suche nach geeignetem Stoff für einen Abenteuerroman ist …
Buch Nummer 1 also fix gebucht.

Weiteres Futter liefern der marix Verlag und der der Haymonverlag.

Bei Edith Whartons „Ethan Frome“ (Übersetzung Claudia Wenner, marix verlag) überlegte ich dagegen länger, weil mir die Geschichte (abgelegenes Dorf, Inzest usw.) etwas zu düster schien für den Frühling, der heute besonders in der Nase kitzelte. Aber schon bei der ersten Seite wusste ich, die Sprache, die Sprache … sie hat mich. Brauchte halt etwas, bis ich es mir eingestand.

Bei Bettina Balàka„Kaiser, Krieger, Heldinnen. Exkursionen in die Gegenwart der Vergangenheit“, erschienen im Innsbrucker Haymonverlag – gings auch zackig. Von ihr habe ich schon Einiges gelesen, zuletzt den Roman „Unter Menschen“, der mir besonders ans Herz gewachsen ist, weil ich ihn bei einem Gewinnspiel der Autorin gewonnen habe und er mit der Widmung „für Susanne & Sir Linus“ 2016 unterm Christbaum lag – mein kleiner wackerer Jack-Russell-Mix ist am 29. April 2017 gestorben (und ich vermisse ihn sehr). Ein Essayband über das Erbe des Ersten Weltkriegs, das bis in die heutige Zeit wirkt, ist für mich als Journalistin natürlich besonders spannend.

Mit nach Hause nahm ich auch die Erzählung „Monsieur Bougran in Pension“ von Joris-Karl Huysman, übersetzt von Gernot Krämer und erschienen in der Friedenauer Presse, ein Verlag, der Kleinode auf den Büchertisch bringt: fadengeheftete Broschuren, extrem feines Papier – haptisch und optisch ein Hochgenuss! (Und dann kommt ja noch die Lektüre!)

Optisch und haptisch ein Genuss – die Büchlein der Friedenauer Presse

Schließlich – mein Geldbörserl ächzte schon gewaltig – kam noch der Erzählband „Nächste Station“ von Helen Simpson dazu, erschienen im wunderbaren Verlag Kein & Aber (Übersetzung Michaela Grabinger). „Willkommen im mittleren Alter – ein Ort, wo wir durch die neu erworbene Gleitsichtbrille erlöst auf die verlorene Jugend blicken und uns mit ganzer Kraft den Abgründen der Gegenwart widmen können: schlaflose Nächte, alte Kuchenrezepte, neuer Zipperlein und langsam die Form verlierende Körper” verrät der Klappentext. Gleitsichtbrille habe ich zwar noch keine, aber …

So schön die Bleistifte der Insel-Bücherei. Ach! Gebt mir einen Block!

Das Budget bereits mehr als ausgereizt, habe ich mir dann noch eine Draufgabe gegönnt (Liebe auf den ersten Blick und so): bezaubernde Bleistifte der Insel-Bücherei.

So. Jetzt brauche ich nur noch die Zeit, meine tollen Neuerwerbungen zu lesen! Bis zum Indiebookday 2019 schaffe ich es – hoffentlich!

 

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