Begegnung im Wald 4

Ein schöner Feiertagsvormittag, Märchenwald in der Nähe von Innsbruck, rundum hohe Bäume, breiter Forstweg. Folgende Szene:

Frau (F) spaziert mit zwei Hunden. Einer von ihnen ist etwas schwierig – in bestimmten Situationen.
Ältere Dame (D) mit Pudel kommt ihnen entgegen. Der etwas schwierige Hund spannt seinen Körper an. Der Brustkorb weitet sich, die Rute steht senkrecht. Ok, bestimmte Situation ist im Anmarsch.
F verlässt sicherheitshalber den Weg, stellt sich ins Moos. Der etwas schwierige Hund ist jetzt leicht furios.
Ältere Dame bleibt direkt vor Frau mit zwei Hunden stehen.

D: Oh, was hat er denn?
F: Er hat Probleme mit unkastrierten Rüden.
Der etwas schwierige Hund ist nun richtig furios.
D: Und deswegen muss er einen Maulkorb tragen?
F versucht, den Hund im Zaum zu halten und schweigt.
D wartet.
F: Ja. Könnten Sie jetzt bitte weitergehen.
D: Aber der tut ihm sicher weh, oder?
F damit beschäftigt, den Hund im Zaum zu halten, schweigt. D wartet.
F: Nein.
D: Muss er den denn immer tragen?
F nun vollauf damit beschäftigt, den Hund zu bändigen, schweigt. D wartet.
D: Der Arme.
F (laut): Manche Leute kapieren’s nicht, oder?
D (beleidigt): Ich geh ja schon.

 

2 Gedanken zu „Begegnung im Wald 4

  1. Elisabeth

    Mit lieben Grüßen!

    “ Ist ihrer denn nicht brav?“ 29.Aug 2013
    Im Wald
    Ich wollte endlich mal wieder mit Frino fährten gehen, also Fährte gelegt und den Hund noch mal für eine gemütliche Runde aus dem Auto geholt. Er war sehr beschäftigt, den Waldweg abzuschnüffeln nach all den unbekannten Hunden, die da Briefe geschrieben hatten.
    Aus den Augenwinkeln sehe ich noch so einen Schickimickigeländewagen anhalten und schau ab und zu mal den Waldweg zurück, ob wohl ein Hund dabei ist. Einige Male huscht ein rotbrauner Hund ins Blickfeld, ich höre eine Frauenstimme. Wir gehen weiter, Frino schnüffelt und hat zu tun.
    Dann nähert sich langsam aber stetig ein großer Viszlarrüde, er scheint noch einigermaßen jung zu sein. Er hat den Schwanz steif nach oben, Ohren nach vorn, starrt, wirkt nicht unfreundlich, aber sehr interessiert, Frino kennen zu lernen. Aus dem Hintergrund – rufen – so etwa 20 Mal, dazwischen Gebrabbel. Der Hund quittiert das damit, dass er den Schritt wohl etwas verlangsamt, jedoch stetig vorangeht.
    Frino schaut angespannt, lässt sich auch noch mal kurz aus der Spannung wieder heranrufen und gerne belohnen, irgendwann wird’s ihm jedoch zu aufregend, er steht in der Leine, knurrt leise.
    Ich ahne inzwischen, dass die Dame, die sich immer noch im Off befindet, es nicht hinkriegt, dass ihr Hund sich ihr zuwendet, aber immerhin besteht noch Hoffnung.
    Na gut, also Geschirrgriff, dabei fühlt er sich ja immer recht wohl.
    Endlich kommt eine Frau mittleren Alters angestolpert, in Sandalen, Leine und Jacke baumeln überm Arm. Ich rufe ihr zu, sie möge doch bitte ihren Hund zu sich nehmen.
    Frino schaut immer noch, die Beiden sind so nahe, dass er ein wenig lauter knurrt, sich dann aber nochmals beruhigen lässt. Es dauert einige Zeit, bis sie sich von hinten an ihren Hund herangepirscht hat, nach dem Halsband grabscht und ihn anleint.
    Und nun kommts: Sie fragt doch tatsächlich:“ Ist ihrer denn nicht brav?“
    Diese Frage hat mich nachträglich dann doch etwas erbost.
    Leider bin ich nicht schlagfertig, sonst hätte ich ihr folgendes geantwortet:
    „Liebe Frau, dieser Hund hat alles gegeben! Er hat sich unwohl gefühlt und trotzdem geschafft, sich zu beherrschen!“
    „Wenn hier Jemand nicht brav ist, dann sind das ja wohl Sie!
    Sie laufen mit einem unangeleinten Jagdhund herum, den Sie nicht abrufen können!
    Sie befinden sich noch dazu in einem unübersichtlichen Gebiet, wo häufig andere Hunde sind, wo es Rehe und Katzen gibt.
    Sie bestimmen durch Ihr Verhalten, dass alle anderen Hunde Bekanntschaft mit ihrem Hund schließen müssen, ob sie das nun wollen oder nicht.
    Sie können doch gar nicht wissen ob sie krank, ängstlich oder anderen Hunden abgeneigt sind, läufig sind, Schmerzen haben, oder ob es sonstige Gründe gibt, dass ein Hund keine Begegnung mit fremden Hunden wünscht.
    Sie sind es doch, die hier nicht brav ist, weil Sie nicht respektieren, dass andere Hundemenschen die vielfältigsten Gründe haben können,Hundebegegnungen aus dem Weg zu gehen.
    Sie, Madame muten allen anderen Menschen zu, sich evtl. in ein Gerangel verwickelt zu sehen, wobei ältere oder schwächere auch leicht mal umfallen oder durch eine gespannte Leine verletzt werden könnten.
    Und liebe Frau, Sie riskieren eine Beißerei unter Hunden, wobei einer ernsthaft verletzt werden könnte, denn Sie kennen den anderen Hund ja gar nicht!“
    Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch ich mache Fehler und es ist auch schon vorgekommen, dass Frino jemanden belästigt hat, weil ich etwas übersehen hatte. Es wird mir sicher auch mal wieder etwas passieren, denn es gehört einfach zum Leben dazu, dass mal etwas schief läuft. Dann allerdings werde ich mich entschuldigen, weil ich weiß, dass es nicht in Ordnung ist, andere mit meinen Angelegenheiten ungefragt zu behelligen. Und ich möchte mich auch weiterhin bemühen, über meinen eigenen Tellerrand zu schauen und wahr zu nehmen, dass es andere Bedürfnisse gibt als meine.
    Ach so!!! Die Fährte war übrigens wunderschön! Wir hatten beide viel Spaß!

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  2. Michael

    Liebe Frau Gurschler, das kommt mir irgendwie bekannt vor.
    Die Leute aus „unserem“ Lager sind oft die Allerschlimmsten. Es fängt schon mit dem berühmten Sackerl an – Im Winter besonders deutlich sichtbar. Am Beginn des Weges steht ein Sackerlspender – danach ziert alle 2 bis 3 Meter ein Hundehaufen den Weg. Da frage ich mich hin und wieder, wozu diese sinnvollen „Dinger“ denn da stehen?
    Die sogenannten Hunde“versteher“ sind sowieso die Allerschlimmsten! Sie missachten jede gutgemeinte Aufforderung und Bitte, zuerst dem Hund die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu geben. „Ach ich kenn mich da aus, ich hatte ja selbst mal…“ usw. Es kommt, wie es kommen muss: Hund fühlt sich bedroht (vor allem, wenn er nicht so souverän ist und eher vorsichtig und ängstlich) er bellt (meine jault mehr. so wie ein Wolf) und macht ein Theater. Reaktion: „so ein schlecht erzogener Hund …!“ – Das ist dann noch das Harmloseste, was man sich anhören muss.
    Da die Contenance zu bewahren ist dann schwer. Ich meide daher eher die Haupt“verkehrsrouten“ , weil ich schlicht und ergreifend meine Ruhe haben möchte.
    Liebe Grüße aus Aldrans (sehr zum Spazierengehen zu empfehlen. Der Bürgermeister hat selbst einen Hund und hat daher Verständnis für die Nöte und Sorgen von uns Hundebesitzern)
    Michael B.

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