Kleine Erinnerungen an Jörg Streli

Vor wenigen Tagen starb Jörg Streli. Kleine, persönliche Erinnerungen an einen bedeutenden Innsbrucker Architekten.

Im Mai 2004 hatte ich einen Termin beim Architekten Jörg Streli, im Architekturbüro Heinz-Mathoi-Streli in der Exlgasse. Es ging um die Architekturtage, die im Juni stattfinden sollten und die Architektur im Stadtteil Hötting, in dem er lebte und wo er einige Bauprojekte umgesetzt hatte. Ich wollte einen Beitrag fürs Monatsmagazin ECHO schreiben.

Den Tag weiß ich nicht mehr, aber dass es früher Vormittag war, denn: Ich traf Jörg Streli nicht an. Er habe angerufen, er verspäte sich, wurde mir mitgeteilt, er sei gerade von einer Bergtour nach Hause gekommen – ich glaube, es war die Serles. Ich wartete am ovalen Besprechungstisch, der sich in einem langen hellen Gang befand. Gleich daneben stieß, wie ich fand, ziemlich brutal, eine Betonsäule durch Boden und Decke.

Den Sonnenaufgang da oben sei einfach herrlich, sagte Jörg Streli als er mich schwungvoll ins Büro bat. Dann breitete er eine Kopie vor sich aus. Es handelte sich um einen Beitrag, den ich im ECHO veröffentlicht hatte und in dem es unter anderem um den Umbau des Modegeschäfts Einwaller am Eingang der Innsbrucker Altstadt ging. Planung: Heinz-Mathoi-Streli.

Unterstreichungen, Randnotizen, Fragezeichen – die Kopie sah aus wie ein penibel korrigierter Schulaufsatz. Ich war gut vorbereitet. Darauf nicht! Jörg Streli erklärte mir – durchaus freundlich, aber bestimmt – warum er diese Formulierung für unzureichend und jene für schlecht hielt, ich ihm, warum ich das nicht so sah.
Ich glaube, mich zu erinnern, dass ich das Büro recht „angefressen“ verließ, auch wenn wir nach dem „Verriss“ meines Artikels noch über die Architektur in Hötting gesprochen hatten.

Zuletzt traf ich Jörg Streli im Zusammenhang mit den Recherchen zu meinem Buch „111 Orte in Innsbruck, die man gesehen haben muss“. Der Pfarrsaal Hötting sollte einer der 111 Orte werden. Er gehört nicht zu den bedeutendsten Bauwerken Jörg Strelis. Aber dieser Bau war mir seit unserem Gespräch 20004 in Erinnerung geblieben, weil er – aufgrund seiner Form – den Spitznamen „Kelomat“ erhalten hatte.
Ein Pfarrsaal wie ein Druckkochtopf – solche Geschichten liebe ich!

Jörg Streli führte mich durch das Gebäude, erzählte mir von den Überlegungen, die er angestellt hatte, machte mich auf Details aufmerksam. Danach gingen wir zum Gasteiger auf einen Kaffee und er überreichte mir das Buch, das er zusammen mit seinem Freund und ehemaligen Bürokollegen Karl Heinz im Eigenverlag herausgebracht hatte.

Es trägt den schlichten Titel „jörg streli architektur“. Darin versammelt seine eigenen Bauten, solche des Büros Mathoi-Heinz-Streli, dazu Skizzen, Notizen, Aufsätze und Beiträge zum Thema Architektur. Ich bat Ihn um eine Widmung. Wir plauderten über seine Idee für ein neues Buch, er fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, die Texte zu schreiben.

Wenige Wochen später vermittelte er mir den Kontakt zu Siggi Ploner, der in Hötting Wein anbaut und damit dort eine Jahrhunderte alte Tradition aufleben lässt.
Der Wein schmeckt sogar, sagte Jörg Streli und lachte ins Telefon. Und, sagte er, der Weinberg wird Ihnen gefallen! Wie recht er hatte: Der „Weinberg“ waren Ranken, die sich über die Balkone des Wohnhauses nach oben zogen bis unters Dach.

Aus unserem Buch wurde leider nichts.
Jörg Streli starb am 13. Feber 2019.

Wikipedia Jörg Streli
Nextroom Datenbank Jörg Streli

 

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