Papierenes Fundstück zum Weltgeschichtentag

Vor wenigen Tagen, bei einem Spaziergang am Inn, stieß ich in der Nähe der Uni auf ein Buch. Es lag aufgeschlagen neben dem Fluss auf einem großen Stein. Das Fundstück passt, wie ich finde, perfekt zum heutigen Weltgeschichtentag.

Das Buch leuchtete gegen den grauen Untergrund an, wirkte fast wie eine Skulptur. Einige Seiten flatterten mutig im Wind. Das Buch war nass geworden und wieder getrocknet. Die Blätter gewellt, verbogen, klebten großteils zusammen.

Ein Nachschlagewerk, das offensichtlich gebraucht worden war und wohl gute Dienste geleistet hatte. Die Schrift wies auf eine Frau hin. Sehr ordentlich, strukturiert, die farbigen Haftstreifen versetzt.
Warum aber lag es hier, auf einem Stein am Fluss? Mysteriös.

Bei mir lief – wie immer bei solchen Funden – sofort das Kopfkino an.

Die Besitzerin

saß auf dem kühlen Stein, brütete über AGB und KEG und dieses ganze trockene Zeug. Ein Sonnenstrahl kitzelte ihr Ohr. Sie blinzelte, schaute auf die Buchstaben im Buch, legte es auf die Seite und beschloss, das Studium abzubrechen und ein Leben ohne MaklerG und KSchG zu wagen.
kam aus einer Prüfung an der Uni und hatte diese hier Revue passieren lassen. Die Prüfung war schlecht gelaufen, der Professor oder die Professorin enttäuscht gewesen. Sie wollte nicht mehr daran erinnert werden und setzte das Buch aus.

hatte die letzte Prüfung an der Uni hinter sich. Endlich geschafft. Sie feierte hier mit ihren Freundinnen und Freunden und ließ das Buch zurück. Sie würde es nie wieder brauchen.
vergaß es einfach. Als sie wiederkam, um es zu holen, war es bereits völlig durchnässt.
musste aus irgendeinem Grund (Todesfall, Wohnungsbrand, Termin) unvermittelt weg.

Die Besitzerin

hockte am Fluss, um zu lernen. Das Buch lag auf ihrem Schoß und fiel ins Wasser, als sie nach der Trinkflasche griff. Sie zog es zwar sofort heraus, Einband und Seiten waren aber bereits mit Wasser vollgesogen. Also ließ sie es liegen.
benötigte es nicht mehr. Richtete es hier, in der Hoffnung, jemand würde es mitnehmen. Der Regen war schneller.
vermisst es. Jemand hat es ihr geklaut und hier abgelegt.

Und so geht es weiter in meinem Kopf.
Vielleicht sollte ich Geschichten schreiben. 🙂

Und nicht nur, weil heute Weltgeschichtentag (World Storytelling Day) ist: Was meinst du, ist mit dem Fundstück passiert? Welche Geschichte steckt dahinter?

 

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